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Geboren in einer Arbeiterfamilie in den Vororten von Boston, ist May Stevens eine Künstlerin, Dichterin und Lehrerin, deren stark engagierte Arbeit einen explizit realistischen Stil verwendet, um alle Arten von Machtmissbrauch anzuprangern, von Rassismus bis Sexismus und von Imperialismus bis Krieg. Nach ihrem Studium am Massachusetts College of Art and Design in Boston (1946) setzte sie ihre Ausbildung 1948 in New York fort, wo sie den Künstler Rudolf Baranik (1920-1998) kennenlernte, den sie in diesem Jahr heiratete und mit dem sie einen Sohn hatte. Das Paar zog nach Paris, wo Stevens die Académie Julian besuchte. Als sie 1951 nach New York zurückkehrte, entdeckte sie den abstrakten Expressionismus. Sie nahm an Gemeinschaftsausstellungen teil, arbeitete kurz am Museum of Modern Art und begann Kunstgeschichte zu unterrichten. Ihre frühesten Arbeiten trugen von Anfang an eine politische Botschaft, in einem Stil, der der Illustration näher kam, mit abgespeckten menschlichen Figuren auf einfarbigem Hintergrund. In ihrer Serie Big Daddy (1967-1976) symbolisiert die Figur eines Mannes – ein wiederkehrendes Element in ihrer Arbeit, gezeichnet von einem Foto ihres Vaters – die Diskriminierung und den Imperialismus der amerikanischen Gesellschaft (Big Daddy Paper Doll, 1970).

Lesen von Linda Nochlins Artikel „Warum gab es keine großen Künstlerinnen?“ (Artnews) 1971 begann sie mit der Erforschung alter Künstlerinnen und engagierte sich in feministischen Kämpfen. In diesem Sinne bietet ihr Gemälde Soho Women Artists (1978), ein Gruppenporträt, das diesen Figuren Tribut zollt, eine Alternative zu einer traditionell männlichen Kunstgeschichte. 1977 wirkte die Malerin an der Entstehung der Zeitschrift Heresies mit: Einer feministischen Publikation über Kunst und Politik, deren Ziel es war, Kunst und Politik aus feministischer Sicht zu analysieren. Neben ihren Gemälden (Sea of Words, 1990-1991) und Publikationen spielt das Schreiben immer eine große Rolle in ihrem Werk. Stevens lebt derzeit in Santa Fe (New Mexico) und malt zunehmend lyrische Bilder von Wasserlandschaften.

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